Bericht der Opernfestspiele über die Saison 2021 und Ausblick auf die Saison 2022

Betreff
Bericht der Opernfestspiele über die Saison 2021 und Ausblick auf die Saison 2022
Vorlage
GR 065 / 2022
Art
Drucksache GR

Das Gremium nimmt Kenntnis. 

Festspieldirektor Marcus Bosch hatte die 57. Opernfestspiele Heidenheim unter das Motto

„Ausnahmezustand“ gestellt. Die Überschrift der ursprünglich geplanten Saison rund um die Opern „Tannhäuser“ und „I due Foscari“ wurde im zweiten Jahr der Pandemie zur Klammer für den „OH! KonzertSommer“ im Heidenheimer Brenzpark und an weiteren Spielorten. Insgesamt erlebten mehr als 7.000 Besucherinnen und Besucher eine weitere Ausnahmesaison, die – ungleich aufwändiger angelegt als die „Klappstuhlkonzerte“ im Jahr 2020 – viel Erfolg verzeichnete und mit der Last Night „Klassik unter Sternen“ am 1. August einen bejubelten Abschluss fand.

Nach dem Ausfall der Spielstätten Rittersaal Schloss Hellenstein (wegen Sanierung) und Festspielhaus CCH (Nutzung als Impfzentrum) bezogen die Festspiele im Brenzpark eine eigens errichtete, große Open-Air-Rundbogenbühne als Hauptspielstätte. Mit Ausnahme der vielbeachteten Wiederaufnahme der Pop-up Opera „Nau bens hald I“ über den Hitler-Attentäter Georg Elser verzichteten die Festspiele damit im zweiten Jahr in Folge auf ihr Kernprogramm szenische Oper. Die schon langgehegte Idee eines großen Musik-Picknicks im ehemaligen Landesgartenschaugelände „Brenzpark“ wurde nun zu einem kompletten Festivalprogramm. Der „OH! KonzertSommer“

adaptierte vertraute Orchester-Konzertformate der OH! wie das Eröffnungskonzert, das Gala-konzert, die Jazzgala und die Last Night für die – nun elektronisch verstärkten - Park-Konzerte.

Mit einer Aufführung von Verdis „Il trovatore“ war die Oper immerhin konzertant vertreten. Die Festspielformate wie „OH! in der Pauluskirche“, „OH! in der Stiftskirche“, die Schlossbergtafel und die Jazzfrühstücke konnten hingegen – unter Corona-Bedingungen – beibehalten werden. Ein

handverlesener Sänger- und Solisten-Cast und Ensembles wie der Stuttgarter Kammerchor, der Tschechische Philharmonische Chor Brünn, die Cappella Aquileia oder die Württembergische

Philharmonie Reutlingen (erstmals in Heidenheim) boten internationalen Festspielglanz auch im zweiten Ausnahmejahr.

Festspieldirektor Marcus Bosch zeigt sich mit der Festival-Bilanz mehr als zufrieden: „Unter

extremen Bedingungen haben wir ein Maximum an Kunst geboten. Im Park konnten wir aber auch Neues ausprobieren. Die Unterstützung der Heidenheimer Kommunalpolitik und der Sponsoren und privaten Geldgeber hat sehr geholfen. Und das Vertrauen des Publikums war für mich in all den Wirrnissen dieses Jahres einfach völlig überwältigend.“

Im Jahresverlauf startete das Orchester der OH! im Dezember 2021 mit dem vielbeachteten Zyklus „Brahmsfest“ in die Jubiläumsspielzeit „10 Jahre Cappella Aquileia“. Die Auszeichnung mit einem der international wichtigsten Musikpreise OPUS KLASSIK setzte zudem ein großes Ausrufezeichen hinter die so engagierte wie erfolgreiche Arbeit der Musikerinnen und Musiker für die

Festspielstadt Heidenheim.

 

Im Bereich Education konnte trotz Pandemieeinschränkungen ein Klanglabor OH! und ein stark angepasstes Beethoven-Projekt mit Schulaufführungen im Landkreis Heidenheim vor

begeisterten Grundschülern durchgeführt werden.

 

Nach der coronabedingten Absage des Neujahrskonzerts und der Winteroper „Die Zauberflöte“ wurde eine Mozart-Gala über das Streaming-Portal IDAGIO weltweit übertragen und hat Presse und Zuschauer begeistert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Besucherzahlen (detaillierte Angaben in Anlage 1)

 

Die sich laufend verändernden Rahmenbedingungen führten bei den Festspielen zu einem

Angebot von insgesamt 6.441 belegbaren Plätzen, von denen 5.912 belegt werden konnten, was einer Auslastung von 92% entspricht. Neben der „Last Night“ waren die Jazzgala, das Requiem bei „OH! in der Pauluskirche“, das Eröffnungskonzert sowie die beiden Aufführungen des ersten OH! Familienkonzertes ausverkauft. Das Chorprogramm „OH! in der Stiftskirche“ wurde an einem Abend zweimal gesungen. Zusammen mit den 350 Besuchern der Schlossbergtafel und den 1.100 Zuschauern der ganz überwiegend frei zugänglichen und kostenlosen Aufführungen der

Elser-Pop-up-Oper in Heidenheim und der Region haben 7.362 Menschen die Veranstaltungen des OH! KonzertSommers besucht.

 

Neujahrskonzert/Winteroper:

Das Neujahrskonzert 2021 musste abgesagt werden.

Auch die konzertante Winteroper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart als Kooperation mit der Hochschule für Musik in München musste wie auch schon die Winteroper im Jahr 2020 abgesagt werden. Die als Ersatz umgesetzte Mozart-Gala konnte über das Streaming-Portal IDAGIO rund 750 Zuseher erreichen.

 

 

2. Finanzen (detaillierte Angaben in Anlage 2 und 3)

 

Im Jahr 2021 betrug das Zuschussbudget im Budget 44 insgesamt 1.222.640 Euro (inklusive Nachtrag).

 

 

Kostenstelle 92620000100 – Festspiele

 

Die Einnahmen durch Eintrittsgelder betrugen 65.000 Euro (Haushaltsansatz inklusive Nachtrag 100.000 Euro). Die Kalkulation war zum Zeitpunkt des Nachtragshaushaltes im Blick auf die Pandemieentwicklung und die veränderten Spielorte nur überaus grob zu erstellen. Die Sponsoring-einnahmen lagen bei 334.000 Euro (Haushaltsansatz inklusive Nachtrag 300.000 Euro): Die

überwiegende Anzahl der Sponsoren unterstützte das attraktive Ersatzprogramm und besonders auch das Bestreben der Opernfestspiele, den Künstlerinnen und Künstlern Auftrittsmöglichkeiten zu bieten. Auch bei den Spendeneinnahmen konnte mit 116.000 Euro ein gegenüber dem

überaus vorsichtigen Nachtragsansatz sehr positives Signal gesetzt werden (Haushaltsansatz

inklusive Nachtrag 5.000 Euro).

Bei den Erstattungen wurden erneut Aufwendungen von Hilfspersonal von anderen Bereichen und verschiedene Auftritte und sonstige Erstattungen in Höhe von 15.000 EUR eingenommen. Die Gesamteinnahmen der Opernfestspiele liegen somit insgesamt um 54.000 Euro über dem

Haushaltsansatz im Nachtragshaushalt.

 

Die Ausgaben lagen bei 1.274.000 Euro (Haushaltsansatz inklusive Nachtrag 1.657.850 Euro) und damit um 384.000 Euro unter dem Ansatz. Zum Zeitpunkt der Nachtragshaushalts-Aufstellung schien die Raumsituation im Festspielhaus Congress Centrum Heidenheim noch eine szenische Oper zu ermöglichen. Aufgrund des generellen Wegfalls der Opern konnten trotz des relativ

aufwändigen Brenzpark-Programms alleine bei den Veranstaltungskosten über 300.000 Euro eingespart werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kostenstelle 92620000200 – Cappella Aquileia

 

Die Einnahmen der Cappella Aquileia lagen bei 103.000 Euro (Haushaltsansatz inklusive Nachtrag 138.000 Euro): Einnahmen durch Spenden und Sponsoren wurden im Ausnahmejahr ausschließlich in der Kostenstelle Festspiele verbucht.

 

Die Ausgaben der Cappella Aquileia lagen bei 381.000 Euro (Haushaltsansatz inklusive Nachtrag 327.240 Euro). Auch hier ergaben sich nach der Aufstellung des Nachtrags substanzielle

Änderungen wie die Absage der Verdi-Oper, die Aufnahme von „Il Trovatore“ und des Kinder-konzerts „Peter und der Wolf“ ins Ersatzprogramm oder die Streamingformate bei den Meisterkonzerten.

 

 

Kostenstelle 92620000300 – Education

 

Die Einnahmen im Bereich der Education lagen bei 109.000 Euro (Haushaltsansatz inklusive Nachtrag 184.000 Euro) und somit 75.000 Euro unter dem Planansatz. In erster Linie resultieren diese geringeren Einnahmen aus der pandemiebedingten Reduzierung des Projektes BTHVN (Beethoven) 2020.

 

Die Ausgaben lagen bei 126.000 Euro (Haushaltsansatz 134.000) und somit um 8.000 Euro unter dem Planansatz.

 

 

Kostenstelle 92620000400 - Neujahrskonzert/Winteroper

 

Die Einnahmen für das Neujahrskonzert und die Winteroper beruhen nach der Absage des Neujahrskonzerts und dem Streaming der „Mozart-Gala“ (Ersatz für Winteroper) mit 30.000 Euro (Haushaltsansatz inklusive Nachtrag 22.700 Euro) ausschließlich auf einer Spende der Hanns-Voith-Stiftung und bereits gebuchten Einnahmen für die Winteroper 2022.

 

Für die „Mozart-Gala“ fielen Ausgaben in Höhe von 101.000 Euro an (Haushaltsansatz inklusive Nachtrag 95.000 Euro).

 

Das Budget 44 schließt mit einer Gesamteinsparung von 282.000 EUR gegenüber dem Ansatz im Nachtragshaushalt ab.

 

 

3. Ausblick

 

In der bevorstehenden Festspielzeit 2022 stehen die drei Opern „Tannhäuser“ von Richard Wagner (7 Vorstellungen), „I due foscari“ von Giuseppe Verdi (2 Vorstellungen) und das Auftragswerk der Jungen Oper „Wurst“ (13 Vorstellungen) im Mittelpunkt. Als vierte Produktion soll erneut die Pop-Up-Oper „Nau bens hald I“ über den Hitler-Attentäter Georg Elser in und um Heidenheim gezeigt werden. Für „Tannhäuser“ sind zum 04.04.2022 rund 57 % der Karten verkauft, was nach den schwierigen Corona-Jahren ein guter Wert ist. „I due foscari“ setzt die Verdi-Reihe der Cappella-Aquileia fort. Die Premiere wird von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet und ausgestrahlt sowie vom CD-Label Coviello Classics international veröffentlicht. Für das Galakonzert der Cappella Aquileia wurde die international renommierte Geigerin Elsbjorg Helmsing als Solistin gewonnen. Mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern debutiert ein weiteres hochklassiges Orchester bei den Opernfestspielen. Mit einem A Cappella-Programm ist der Festspielchor aus Brünn in der Pauluskirche zu Gast. Im weiteren Programm findet sich die 5. Ausgabe der Biennale für Neue Musik „Zeitgenossen“ (veranstaltet vom Förderverein für Neue Musik Heidenheim), bewährte Formate wie die Schlossbergtafel, Jazz zur Festspielzeit (in diesem Jahr erstmals mit der NDR-Big-Band), das Jazzfrühstück (4 Veranstaltungen), der Blaue Abend (1 Veranstaltung) oder die im Jahr 2018 gestartete Reihe „Quartett der Kritiker“.

 

In Umwidmung des Formats „Winteroper“ wird im Frühjahr die Zusammenarbeit mit dem Ballett des Münchener Staatstheaters am Gärtnerplatz gestartet, die über das Programm „Tanzland“ drei Jahre lang Ballettproduktionen nach Heidenheim bringen wird und damit das breitgefächerte Kulturprogramm in Heidenheim erneut aufwertet. Das Neujahrskonzert 2023 soll nach den Absagen in den Jahren 2021 und 2022 wieder an zwei Abenden geboten werden.

 

 

 

 

Simone Maiwald

Bürgermeisterin