Bedarfsplanung 2019/2020 für die Betreuung von Kindern in der Stadt Heidenheim

Betreff
Bedarfsplanung 2019/2020 für die Betreuung von Kindern in der Stadt Heidenheim
Vorlage
GR 075 / 2019
Art
Drucksache GR

1.    Die Bedarfsplanung wird unter Berücksichtigung des Kindertagesbetreuungsgesetzes (KiTaG) mit folgenden Bedarfsrichtwerten und Versorgungsquoten fortgeschrieben:

a.     Kindergartenplätze: 98 % von 3,5 Jahrgängen, davon 34 % Ganztagesplätze in 2019/2020 und 37,6 % im Zieljahr 2023/2024

b.    Kleinkindplätze: 34,9 % aller Kinder unter 3 Jahren im Kindergartenjahr 2019/2020 und 38 % im Kindergartenjahr 2023/2024

                                

Im Zuge der dargestellten Ausbaumaßnahmen werden im Zeitraum 2020 bis 2022 gesamtstädtisch 122 zusätzliche Kindergarten- und 65 zusätzliche Kleinkindbetreuungsplätze geschaffen.

 

2.    Die Qualitätsoffensive für Heidenheim „Familie und Beruf“ wird in 2019/2020 fortgeschrieben. Bestandteil sind die Förderung von Familienzentren, die Bezuschussung eines gesunden Frühstücks, das Angebot eines „Kitawegweisers“ sowie die Förderung der Randzeitenbetreuung in der Kindertagespflege.

 

Finanzielle Auswirkungen:

Jahr

Produktsachkonto

Verfügbare

Mittel (EUR)

Bedarf (EUR)

Erläuterung

Einmalig

Laufend

ab 2020

36.50.0101-43180000

 

 

25.000

Förderung der Randzeitenbetreuung durch die Kindertagespflege

 

Der Kindergartenbedarfsplan 2019/2020 stellt die verschiedenen Betreuungsangebote in Heidenheim sowie die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen dar. Anhand der an den Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg gemeldeten Belegungszahlen (§ 47 SGB VIII i. V. mit § 22 Kinder- und Jugendhilfegesetz für Baden-Württemberg) wird im Bedarfsplan die Auslastung der einzelnen Kindertageseinrichtungen zum Stichtag 01.03.2019 dargestellt. Außerdem wurde die Auslastung im Kindergartenjahr 2019/2020 durch die zentrale Kindergartenplatzkoordinatorin anhand der Anmeldezahlen ermittelt.

 

Gemäß § 3 KiTaG in Verbindung mit § 75 Sozialgesetzbuch (SGB) VIII wurden gemeinsam mit den kirchlichen und freien Trägern der Heidenheimer Kindertageseinrichtungen, dem Verein Kindertagespflege Landkreis Heidenheim e. V. und dem Landratsamt Heidenheim als örtlicher Träger der Jugendhilfe Maßnahmen erarbeitet, um die Betreuungssituation in Heidenheim unter Berücksichtigung des derzeitigen Nachfrageverhaltens der Eltern weiter zu verbessern. Die entsprechenden Ausbaumaßnahmen für die kommenden Jahre bis 2024 sind im Bedarfsplan dargestellt.

 

 

Kindergartenalter (3 Jahre bis zum Schuleintritt) und Kleinkinder (0 bis unter 3 Jahre)

Es wird empfohlen, für Kinder im Alter 3 Jahre bis zum Schuleintritt den Bedarfsrichtwert von 98 % und den Bedarfsfaktor von 3,5 Jahrgängen für das Kindergartenjahr 2019/2020 fortzuschreiben.

 

Die Versorgungsquote im Kleinkindbereich liegt zum Stichtag 1.3.2019 bei 32,8 %. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass nicht alle Plätze in AM-Gruppen tatsächlich für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung stehen, sondern teilweise von Kindergartenkindern belegt sind und Heidenheimer Einrichtungen mehr auswärtige Kinder aufnehmen als Kinder mit Wohnsitz Heidenheim in umliegenden Gemeinden betreut werden. Werden diese Einflüsse berücksichtigt, liegt die Versorgungsquote im Kleinkindbereich gesamtstädtisch bei 28,1 %. Zum Stichtag 1.3.2019 wurden gesamtstädtisch 232 Kinder aus Heidenheim in Kindertageseinrichtungen und 85 Kinder in der Kindertagespflege betreut. Die Betreuungsquote lag zu diesem Stichtag somit bei 22,4 %.

 

Die weiterhin starke Zunahme der Kinderzahlen übertrifft die bisherigen Berechnungen des Statistischen Landesamtes (StaLa) und damit auch die Planungen zum Ausbau an Betreuungsangeboten der Stadt Heidenheim. Alleine die Anzahl der Kinder im Alter 3 bis 6 Jahre hat im Zeitraum März 2018 bis März 2019 um 128 Kinder zugenommen (vom StaLa war lediglich eine Zunahme um 65 Kinder prognostiziert worden). Nach der Heidenheimer Bevölkerungsstatistik hat die Anzahl der Kinder im Alter 0 bis 6 Jahre im Zeitraum 2010 bis 2018 gesamtstädtisch um 430 Kinder (18 %) zugenommen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Anzahl der ausländischen Kinder in diesem Zeitraum von 102 auf 559 Kinder zugenommen hat. Insbesondere in der Zuwanderung von Familien aus Osteuropa liegt der Grund für diese sehr rasche Bevölkerungszunahme.

 

Durch die zahlreichen Sofortmaßnahmen, welche der Gemeinderat im Rahmen der Bedarfsplanung 2018/2019 beschlossen hatte,  konnten gemeinsam mit allen kirchlichen und freien Kindergartenträgern im Zeitraum September 2018 bis September 2019 gesamtstädtisch 220 Kindergarten- und 45 Kleinkindbetreuungsplätze geschaffen werden, also 265 Plätze in einem Jahr.

 

Im Bereich der Kinder im Alter 3-6 Jahre kann der Rechtsanspruch somit im Jahr 2019/2020 erfüllt werden, wenn auch nicht immer in der Wunscheinrichtung. Während in einzelnen Einrichtungen noch Plätze frei bleiben, ist der größte Teil der Kindertageseinrichtungen komplett belegt. Unter Berücksichtigung des weiteren Anstiegs der Kinderzahlen bis 2024, dem Anspruch einer möglichst wohnortnahen Betreuung und der gewünschten Vorhaltung von Notplätzen für Zuzüge sind deshalb in den kommenden Jahren weitere Kindergartenplätze zu schaffen. Im Bedarfsplan sind deshalb Vorhaben zur Schaffung von weiteren 122 Kindergartenplätzen im Zeitraum 2020 – 2022 ausgewiesen. Ob diese Plätze ausreichen werden, ist fraglich. Neben einer schwer kalkulierbaren Entwicklung der Kinderzahlen (siehe Abweichung der StaLa-Prognose im vergangenen Jahr um 100 %) ist auch die von der Landesregierung geplante Vorverlegung des Stichtags für die Einschulung zu berücksichtigen. Bei einer Jahrgangsstärke von 470 Kinder betrifft diese Änderung immerhin knapp 160 Kinder. Sofern auch nur die Hälfte der Eltern von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, hat dies zur Folge, dass zusätzlich 80 Kindergartenplätze geschaffen werden müssen. Zudem ist die Übergangsgruppe in der Bühlstraße zeitlich begrenzt, sodass die im Bedarfsplan ausgewiesenen 122 Plätze als Untergrenze zur Erfüllung des Rechtsanspruchs zu betrachten sind.

 

Im Bereich der Kleinkindbetreuung ist die Nachfrage trotz der zusätzlich geschaffenen 45 Plätze im Zeitraum September 2018 – September 2019 im neuen Kindergartenjahr immer noch höher als das Angebot (11 freien Plätzen steht ein aktueller Bedarf von 40-50 Anfragen entgegen). Deshalb weist der Bedarfsplan Vorhaben zur Schaffung von weiteren 65 Kleinkindplätzen im Zeitraum 2020 – 2022 aus.

 

 

„Familie und Beruf“ – Qualitätsoffensive für Heidenheim

Die Qualitätsoffensive „Familie und Beruf“ soll im Kindergartenjahr 2019/2020 wie folgt fortgeschrieben werden:

 

Säule 1 – Förderung von Familienzentren

Die Familienzentren Damaschkestraße, Hochbergweg, Hölderlinstraße und Johanneskindergarten ermöglichen Eltern die Teilnahme an zahlreichen attraktiven und interessanten Angeboten. Der Fokus liegt dabei insbesondere darauf, Eltern aus bildungsfernen Schichten zu erreichen. Dadurch werden ungleiche Bildungschancen der Kinder reduziert und die Integration von Familien mit Migrationshintergrund forciert.

 

Säule 2 – Gesundes Frühstück an Schulen

Dieses Angebot an Grundschulen für finanziell benachteiligte Kinder wird von 7 Grundschulen sehr gut in Anspruch genommen. Monatlich werden rund 900 Euro an diese Schulen ausbezahlt.

 

Säule 3 – Kitawegweiser

Als Baustein der Qualitätsoffensive „Familie und Beruf“ hat der Gemeinderat im Rahmen der Kindergartenbedarfsplanung 2017/2018 auf Vorschlag der Stadtverwaltung und in Abstimmung mit allen kirchlichen und freien Kindergartenträgern die zentralisierte Platzzuteilung (Kitawegweiser) beschlossen. Die Kindergartenplatzkoordinatorin hat im Frühjahr 2018 eine erste Bestandsaufnahme zur Kindergartenplatzbelegung durchgeführt. Zur besseren zeitlichen Koordination wurde die Anmeldefrist 2019 um einen Monat auf den 31.01. vorverlegt. Die zentrale Koordinationsstelle wird stark nachgefragt und konnte bisher zahlreiche Hilfestellungen und Auskünfte beim Zuzug von Familien geben, Anfragen von Firmen für neue Mitarbeiter bearbeiten sowie rund 500 Betreuungsplätze vermitteln.

 

Säule 4 – Randzeitenbetreuung durch die Kindertagespflege

Immer mehr Eltern haben zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf Bedarf an einer Betreuung in Randzeiten (vor 7:00 und nach 17:00 Uhr). Dies betrifft insbesondere Eltern, die in Pflegeberufen arbeiten, aber auch viele andere Berufssparten. Eine Abdeckung dieser Randzeiten in Kindertageseinrichtungen ist bisher nicht möglich. Die Kindertagespflege als zeitlich flexibles Betreuungsangebot bietet jedoch die Möglichkeit, diese Lücke auszufüllen. Unabhängig von dem Antrag der SPD-Fraktion zur Ausweitung von Öffnungszeiten in Kindertageseinrichtungen für Pflegekräfte (GR 111 / 2018) soll nun über die Qualitätsoffensive ein Anreiz für Tageseltern geschaffen werden, Betreuung gerade in Randzeiten anzubieten. Ab 2020 sollen Tageseltern pro Betreuungsstunde im Zeitraum vor 7:00 und nach 17:00 Uhr jeweils einen Euro zusätzlich vergütet bekommen. Unter Berücksichtigung der Tageseltern in Heidenheim, die bereit sind, diese Randzeiten anzubieten, wird der Bedarf für Heidenheim auf rund 60 Betreuungsplätze veranschlagt. Der Finanzbedarf hierfür liegt zwischen 20.000 Euro und 25.000 Euro pro Jahr.

 


 

Fazit:

Mit der Inbetriebnahme von zwei neuen Kinderhäusern in diesem Jahr sowie zahlreichen weiteren einzelnen Maßnahmen konnten in guter Zusammenarbeit mit kirchlichen und freien Kindergartenträgern innerhalb von einem Jahr 265 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen werden. Somit kann in Heidenheim der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz erfüllt werden. Aufgrund der aktuell weiterhin steigenden Kinderzahlen müssen jedoch in den kommenden Jahren weitere Betreuungsplätze für Kinder im Alter unter und über drei Jahren geschaffen werden.

 

Sowohl finanziell als auch personell und organisatorisch stellt die Umsetzung der Vorhaben zur Schaffung zusätzlicher Betreuungsangebote in den kommenden Jahren eine Herausforderung für die Stadt Heidenheim dar.

 

 

 

Simone Maiwald

Bürgermeisterin